Hunger und Hitze - Tierschutz an seinen Grenzen

Spanien

+++ Riesige Katzenkolonien bringen Helfer:innen an ihre Grenzen +++ Sommerhitze und Wassermangel bedrohen hunderte Tiere +++ Notfälle, die keinen kalt lassen +++ Zwischen Rettungsaktionen und Erschöpfung: ANAA kämpft weiter +++

„Wenn wir diese Katzen nicht füttern können, wird es wahrscheinlich niemand tun“, erklärt Tierschützerin Helena verzweifelt die belastende Situation vor Ort.

Madrid steht vor einer stillen Tierschutzkatastrophe. Während die Temperaturen bereits im Frühjahr unerbittlich steigen und die Sommerhitze die Straßen in glühende Betonlandschaften verwandelt, kämpfen hunderte Straßenkatzen täglich ums Überleben. Die Ehrenamtlichen des Vereins ANAA versorgen inzwischen rund 700 bis 800 Katzen in zahlreichen Kolonien und weitere etwa 160 Tiere in ihrem Shelter. Doch die Zahlen wachsen weiter: Immer häufiger müssen die Tierschützer:innen ganze Katzenkolonien übernehmen, weil andere Vereine oder Privatpersonen die Versorgung aus gesundheitlichen, zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht mehr leisten können.

Was für die Tiere oft die letzte Rettung bedeutet, bringt ANAA längst an die Grenzen des Machbaren. Auf der verzweifelten Suche nach Futter und Wasser sind die ausgehungerten Katzen Hitze und Sonnenstrahlung gnadenlos ausgesetzt. Neben den zeitraubenden Fütterungen organisiert der Verein Fangaktionen, medizinische Versorgungen und die wichtige Kastrationsarbeit – ein Kraftakt bei der herrschenden Sommerhitze.

Chronische Überlastung ist die Folge, während explodierende Futter- und Tierarztkosten die Handlungsspielräume des Teams zunehmend abschnüren – wie oft muss zwischen tierärztlicher Versorgung und Futterbeschaffung abgewogen werden: „Entweder bezahlen wir eine Kastrationskampagne oder wir kaufen Futter für die Katzen. Beides gleichzeitig schaffen wir oft nicht“, beschreibt Tierschützer Isaac die Lage.

Bitte spende auch du Futter, um den Tierschutz im sommerheißen Madrid aufrecht zu erhalten und hunderte Katzen weiterhin versorgen zu können.

Extremer Stresstest: Immer neue, noch größere Kolonien
Was sich derzeit in Madrid entwickelt, stellt selbst erfahrene Tierschützer:innen vor bislang unbekannte Herausforderungen. Immer mehr kleine Tierschutzgruppen und Privatpersonen müssen aufgeben. Ihnen fehlen die finanziellen Mittel, die Zeit oder schlicht die Kraft, ihre Katzenkolonien weiter zu versorgen. Die Verantwortung endet jedoch nicht – sie wird weitergereicht. Und sie landet immer häufiger bei ANAA. Jede neu übernommene Kolonie bedeutet zusätzliche tägliche Fahrten, weitere Fütterungen, neue medizinische Notfälle und mehr Tiere, die kastriert, geimpft und versorgt werden müssen. Die ohnehin riesigen Kolonien wachsen dadurch stetig weiter. Die Helfer:innen leben seit Monaten im Ausnahmezustand. „Es ist ein tägliches Überleben – für die Tiere und auch für uns“, beschreibt Helena den Zustand, der längst zum Alltag geworden ist. Einen Alltag, der kaum noch Raum für Erholung oder langfristige Planung lässt.

Die Hitze macht das Überleben schwer
Mit jedem Tag steigen die Temperaturen weiter an. Bereits ab Mai wird die Sommerhitze für Madrids Straßenkatzen zur existenziellen Bedrohung. Auf der verzweifelten Suche nach Wasser und Futter, sind besonders schwache oder kranke Tiere gefährdet. Die Tierschützer:innen richten deshalb kleine Unterstände oder „Häuschen“ mit Wasser und Futter ein, um Versorgungsorte zu gewährleisten, die vor Sonne und Hitze geschützt sind. Doch selbst diese Hilfe wird immer wieder sabotiert. Immer häufiger verschwindet ausgelegtes Futter - manche Menschen nehmen es für ihre eigenen Katzen mit, andere entfernen es bewusst, weil sie die Versorgung der Straßenkatzen ablehnen. Der Verein ist daher gezwungen, die Futterstellen durch Zäune und Gitter abzusichern. Nur die Katzen gelangen noch hinein. „Die Menschen scheint das Tierwohl immer weniger zu interessieren und das macht uns unglaublich traurig“, erklärt Helena.

Zwischen Futterkosten, Tierarztrechnungen und Shelterproblemen
Die größte Not bleibt der massive Futtermangel. Woche für Woche müssen hunderte Katzen versorgt werden. Doch während die Zahl der Tiere steigt, werden die finanziellen Spielräume immer kleiner. Das Team lebt quasi von der Hand in den Mund, muss sich täglich neu sortieren und je nach aktuellster Lage Prioritäten neu setzen: Futter kaufen oder Tierarztrechnungen bezahlen oder Streu organisieren oder Kastrationen finanzieren? Alles gleichzeitig ist längst nicht mehr möglich. Aber wie lange geht das noch gut? Denn zusätzlich belasten Schulden und Reparaturen nach Regenschäden am Shelter die Organisation schwer. Geplante Projekte mussten längst gestoppt werden, weil alle Mittel direkt in die tägliche Versorgung fließen müssen.

Notfälle zeigen den alltäglichen Gewissenskonflikt
Manche Katzen erreichen das Shelter in einem Zustand, der sprachlos macht. So wie der weiße Kater Tony: Als er gefunden wurde, war sein Körper übersät mit schweren Hautverletzungen. Große Fellpartien fehlten, seine Haut war verbrannt, dazu litt er unter starkem Pilzbefall und war völlig unterernährt. „Tony wollte niemanden an sich heranlassen. Man hat gespürt, wie viel Leid er erlebt haben muss.“ Wochenlange Behandlungen, Medikamente und intensive Pflege waren notwendig, um ihm eine Chance auf ein neues Leben zu geben. Nur wenige Tage später erreichte ein weiterer Notfall das Shelter: Ein schwarzer Kater mit schlimmer Infektion, die bereits ein Auge zerstört und sich bis zu den Ohren ausgebreitet hatte – er musste sofort operiert und intensivmedizinisch versorgt werden. Diese Schicksale machen klar, welche inneren Konflikte die Helfer:innen ausfechten müssen, wenn sie zwischen Notfallversorgung einzelner und der nötigen Futterbeschaffung für alle Katzen entscheiden müssen. Wie wägt man Leben gegen Leben ab?

Sie funktionieren eigentlich nur noch
Die tägliche Arbeit von ANAA ist körperlich und emotional extrem belastend. Hunderte Katzen an unterschiedlichen Orten zu versorgen, Fangaktionen zu koordinieren, Tierarztfahrten zu organisieren und parallel Notfälle aufzunehmen, verlangt dem Team körperlich und psychisch einfach alles ab. Viele Einsätze können nicht einmal dokumentiert werden, weil jede Minute zählt. „Bei manchen Notfällen bleibt keine Zeit zu filmen – man versucht einfach nur noch, das Tier zu retten.“ Die Helfer:innen beschreiben ihren Alltag inzwischen als permanentes Krisenmanagement – nicht mehr denken, nur noch handeln. „Manchmal arbeiten wir einfach nur noch automatisch, weil wir so erschöpft sind.“ Und trotzdem machen sie weiter – aus Verantwortung für die Tiere, die sonst niemand versorgen würde.

Ohne Futterspenden droht das Ende
Die Situation in Madrid zeigt auf erschütternde Weise, wie schnell engagierter Tierschutz an seine Grenzen gerät, wenn immer mehr Tiere Hilfe brauchen, während die Unterstützung nicht mitwächst oder ausbleibt. ANAA versorgt nicht nur die Katzen im Shelter, sondern hunderte Straßenkatzen in großen Kolonien – alles unter enormem organisatorischem Aufwand und mit ständig wachsendem Druck. Sommerhitze, Wassermangel, explodierende Kosten und neue Notfälle verschärfen die Lage zusätzlich. Gleichzeitig müssen die Helfer:innen immer mehr Kolonien anderer Tierschützer:innen übernehmen, die aufgeben müssen. Ohne Futterspenden droht jetzt alles zusammenzubrechen. „Jede einzelne Futterspende bedeutet für uns und die Katzen eine enorme Erleichterung.“

Bitte hilf mit deiner Futterspende. Du sorgst dafür, dass hunderte Katzen in Madrid nicht hungern müssen, entlastest erschöpfte Helfer:innen und schaffst Raum für lebensrettende medizinische Versorgung – jeder Napf zählt!

Träger und Verantwortliche

ANAA

Fuente el Saz de Jarama