Ein einziger Schrei – heute sind es über 110 Hunde

Bulgarien

+++ Unermüdlicher Einsatz: Tierschützerin Zhaneta versorgt fast allein 110 Hunde +++ Kampf für jeden Notfall: Rettung von 30 Hunden am Ufer eines Flusses, darunter zwei Mütter mit je acht Welpen +++ Vor dem Winter braucht Zhanetas Streunerdorf dringend Futter +++

„Dann denken wir immer: Jetzt kann sie mal ein bisschen ausschnaufen [...] dann kommen aber schon die Nächsten wieder." So fasst Ulla Dahlem vom deutschen Verein Pfotenliebe e.V. das unermüdliche Engagement von Tierschützerin Zhaneta in Bulgarien zusammen.

Auch in den letzten Wochen war es wieder so: Endlich hatten Vermittlungen in Kardschali, nahe der griechischen Grenze, etwas Platz geschaffen, da entdeckte Tierschützerin Zhaneta am Ufer eines Flusses rund 30 unkastrierte Hunde - darunter zwei Mütter mit je etwa acht Welpen. Ein gefährlicher Ort gerade für die Kleinen, denn bei starkem Regen steigt das Wasser - und für die unerfahrenen Welpen kann das lebensbedrohlich werden. Zhaneta konnte nicht wegsehen. Sie sicherte die Hunde, ließ sie impfen ,behandeln und die älteren kastrieren. Viele von ihnen kamen in ihrem Streunerdorf unter - jenem geschützten Ort, an dem Zhaneta gerettete Hunde versorgt, bis sie vermittelt werden können.

Inzwischen leben dort rund 40 Hunde, obwohl das Streunerdorf eigentlich nur für etwa 20 - 25 Tiere ausgelegt ist. Doch Zhanetas Verantwortung endet nicht dort: Weitere rund 20 Hunde leben auf Pflegestellen und über 50 warten an verschiedenen Futterstellen auf sie. Dass ihr Leben einmal von so vielen Tieren bestimmt sein würde, konnte sie nicht ahnen, als sie eines Tages von einem furchtbaren Schrei direkt vor ihrem Haus aufgeschreckt wurde. Städtische Tierfänger hatten  einen Straßenhund eingefangen, der in seiner Not verzweifelt schrie. Das Schicksal des Hundes ließ Zhaneta keine Ruhe mehr und ihre Suche nach ihm führte sie schließlich in den städtischen Shelter. Das Leid der Hunde, das sie dort sah, ließ sie nie wieder los.

Pfotenliebe e.V. aus Deutschland unterstützt sie bei ihrem Kampf für die Hunde der Region, doch die Verantwortung liegt fast allein bei ihr. Auf verlässliche Hilfe der Stadt kann sie nicht zählen. Und jetzt, mit dem bevorstehenden Winter, wächst der Druck: Die Hunde brauchen alle mehr Futter.

Hilf mit deiner Futterspende, damit Zhanetas Hunde satt durch den Winter kommen und die tägliche Versorgung gesichert ist!

Wenn der Fluss steigt
Die Hunde am Fluss waren unkastriert und hatten sich immer weiter vermehrt. Aus wenigen Tieren war in kurzer Zeit eine ganze Gruppe geworden. Eine Gruppe in ständiger Lebensgefahr - denn mit jedem starken Regen steigt das Wasser an - besonders für die Welpen eine tödliche Gefahr. Zhaneta konnte nicht abwarten. Die Hunde wurden eingefangen, gesichert und untergebracht, geimpft und medizinisch versorgt, die älteren kastriert. Für sie bedeutete das rund 30 Tiere mehr, ausgerechnet nachdem Vermittlungen etwas Entlastung gebracht hatten. Statt der angestrebten 20 bis 25 Hunde leben heute etwa 40 im Streunerdorf.

Ein Schrei, der ein Leben veränderte
Zhaneta ist 53, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Früher führte sie eine Boutique. Dann hörte sie einen Straßenhund schreien, den städtische Tierfänger vor ihrem Wohnhaus eingefangen hatten. Die Sorge um diesen einen Hund wurde zur Aufgabe für ihr ganzes Leben. „Sie hat ihr ganzes Leben geändert für die Tiere", berichtet Ulla. „Die setzt sich da wirklich mit Herz und Seele ein." Heute kennt Zhaneta ihre Hunde, ihre Plätze und ihre Gewohnheiten. Als ein Straßenhund plötzlich verschwunden war, suchte sie tagelang und fand ihn schließlich mehrere Kilometer entfernt im Wald. Offenbar hatten ihn Menschen, die sich an ihm störten, dorthin gebracht. Doch die neue Umgebung war lebensbedrohlich für den Hund: Er hatte bereits Bissverletzungen von Revierkämpfen. Für Zhaneta gibt es keine anonyme Masse von Straßenhunden. Wenn einer fehlt, sucht sie. Immer.

Ein Alltag ohne Feierabend
Zhanetas Auto ist mittlerweile eine mobile Tierschutzstation, voll mit Futter, Medikamenten und Verbandsmaterial. Im Streunerdorf versorgt sie die Hunde, dazwischen warten Tierarzttermine und der nächste Hilferuf. Abends geht es erneut ins Streunerdorf und anschließend weiter zu den Futterstellen, teils durch dunkle Gassen. Oft endet ihr Tag erst gegen 22:30 Uhr. „Sie hofft auf dem Weg ins Streunerdorf, dass sie kein Elend sieht",erzählt Ulla. Feiertage gibt es nicht. „Jeden Tag. Ob Weihnachten, Ostern, Geburtstag, egal." Selbst mit über 40 Grad Fieber wollte Zhaneta losfahren. Als Ulla sie davon abhalten wollte, antwortete sie: „Doch, Ulla, ich muss."

Ihr Mann und einzelne Freund:innen helfen, doch ein größeres Netzwerk, das Zhaneta im Alltag entlastet, gibt es nicht. Pfotenliebe e.V. begleitet ihre Arbeit seit ungefähr acht Jahren und reist mindestens zweimal jährlich nach Bulgarien. Doch im Alltag bleibt die Verantwortung vor allem bei ihr. „Manchmal sagt sie, sie kann nicht mehr. Aber du machst ja trotzdem weiter. Weil du weißt, die Tiere sind von dir abhängig", berichtet Ulla.

Zwischen Gleichgültigkeit und Hoffnung
Straßenhunde gehören in Kardschali zum Alltag - und selbst sichtbares Leid führt nicht automatisch zum Eingreifen. An einem kalten Herbsttag saß ein fast fellloser Welpe zitternd in einer Fußgängerzone, nur wenige Meter von Menschen entfernt. Niemand kümmerte sich. Hunde werden ausgesetzt, wenn aus dem Welpen ein Kostenfaktor wird, andere leben als Wachhunde an sehr kurzen Ketten. Das städtische Shelter kann Hunde wieder auf die Straße entlassen, eine verlässliche kommunale Unterstützung für Zhanetas Arbeit gibt es nicht. „Die werden konstant ausgesetzt", sagt Ulla. „Das ist halt eine andere Welt. Traurige Welt eigentlich."

Und doch bewegt sich etwas. Zhaneta spricht Menschen direkt auf schlechte Haltung an und versucht besonders Kindern zu vermitteln, dass Hunde fühlende Lebewesen sind. Vor allem die jahrelange Kastrationsarbeit zeigt erste Erfolge: Wo kostenlose Kastrationen früher auf Unverständnis stießen, bringen heute Menschen aus Kardschali ihre eigenen Hunde und Katzen, sogar Tiere, die sonst an der Kette leben. Auch sind weniger Straßenhunde zu sehen als noch vor einigen Jahren. „Mittlerweile kommen wirklich Leute [...] und die bringen dann auch wirklich ihre Hunde", erzählt Ulla. Eine Kastration kostet zwischen 45 und 65 Euro - und kann verhindern, dass weitere Welpen in Hunger, Krankheit und Aussetzung hineingeboren werden.

Der Winter kommt, und mit ihm der Hunger
Mit der Kälte steigt der Energiebedarf der Hunde - und damit auch der Futterbedarf. Gleichzeitig muss das Streunerdorf mit Brettern, Planen und intakten Hütten winterfest gemacht werden. „Gerade im Winter brauchen sie viel Essen", sagt Ulla. „Gerade wenn der Winter kommt, hat die Zhaneta sehr viel Angst." Denn dieselben knappen Mittel müssen Futter, Kastrationen, Tierarzt, Medikamente, Impfungen und Reparaturen gleichzeitig tragen. Und hinter der nächsten Kurve kann bereits der nächste verletzte Hund warten. Was auch passiert: Die tägliche Versorgung darf nicht pausieren.

Was eine Futterspende möglich macht
Ob genug Futter vorhanden ist oder nicht - am nächsten Morgen warten die Hunde wieder vor ihren Näpfen. Muss das Futter mit den knappen finanziellen Mitteln bezahlt werden, fehlt dieses Geld bei Kastrationen, medizinischer Hilfe oder der Wintervorbereitung. Eine große Futterspende nimmt Zhaneta genau diese tägliche Sorge für eine Zeit ab und schafft gleichzeitig Spielraum für Impfungen, Operationen, Kastrationen und notwendige Reparaturen. „Das ist für uns eine Erleichterung, auch für unsere Tierschützerin, das nicht mehr im Hinterkopf zu haben: Wie bekommen wir die Hunde satt?" sagt Ulla. „Wenn wir von der feed a dog Gemeinschaft Futter bekommen würden, dann wären unsere Hunde satt. Die müssten nicht hungern."

Hilf mit, damit Zhaneta ihre Hunde satt durch den Winter bringen kann. Jede Futterspende entlastet sie und gibt Pfotenliebe e.V. den Spielraum, Tierleid durch Kastrationen zu verhindern, bevor es entsteht.

Träger und Verantwortliche

Pfotenliebe e.V.

Philippsburg